Photovoice

Kurzbeschreibung

PhotoVoice ist eine partizipative Forschungsmethode, bei der Teilnehmende ihre Lebens-, Lern-, Arbeits- oder Erfahrungswelten fotografisch dokumentieren. Die Bilder dienen als Ausgangspunkt für gemeinsame Reflexion, Narration und Analyse. In Citizen-Science-Projekten ermöglicht PhotoVoice eine Demokratisierung von Perspektiven: Teilnehmende werden zu Co-Forschenden, die Themen sichtbar machen, die sonst marginalisiert bleiben. Der Prozess des Fotografierens öffnet die Wahrnehmung, mit den Fotos wird dem zuvor Übersehenen oder Unausgesprochenen eine Stimme gegeben,

Zentrale Elemente

  • Fotografieren als Akt der Wahrnehmung und Positionierung
  • Gemeinsame Bildbesprechungen als Reflexionsprozess
  • Narrationen zu den Bildern als Datengrundlage
  • Optional: öffentliche Ausstellung als Transfer- und Dialogformat

Auf diesem Bild sieht man ein Beispiel für dieses Thema …

Bildungstheoretische Verortung

PhotoVoice lässt sich im Horizont einer transformatorischen Bildungstheorie (Koller) sowie einer ästhetischen Bildung (Mollenhauer, Wulf) verorten. Durch die fotografische Aneignung der eigenen Lern- und Lebenswelt werden implizite Erfahrungsbestände sichtbar und reflexiv zugänglich. Wahrnehmung wird nicht nur dokumentiert, sondern neu strukturiert.

Im Sinne von Deweys Erfahrungsbegriff entsteht Bildung durch die reflexive Durcharbeitung von Erfahrung. Die Bildproduktion fungiert als Unterbrechung routinisierter Wahrnehmung – ein Moment möglicher Transformation.

Bildungspotenzial

  • Sichtbarmachung impliziten Erfahrungswissens
  • Subjektivierungsprozesse durch Perspektivwahl
  • Dialogische Aushandlung von Bedeutung
  • Demokratisierung von Wissensproduktion

Weblinks

Theoretische Bezugspunkte und Schlüsselliteratur

  • John Dewey (1938/1963): Experience and Education. New York: Coller Books
    http://ruby.fgcu.edu/courses/ndemers/colloquium/experienceducationdewey.pdf
  • Hans-Christoph Koller (2023): Bildung anders denken. Einführung in die Theorie transformatischer Bildungsprozesse. 3. Auflage. Stuttgart: Kohlhammer.
  • Klaus Mollenhauer/Christoph Wulf (Hrsg.) (1996): Aisthesis/Ästhetik. Zwischen Wahrnehmung und Bewußtsein. (Pädagogische Anthropologie. Bd. 1.) Weinheim: Deutscher Studien Verlag
  • Caroline Wang, & Mary Ann Burris (1997). Photovoice: Concept, Methodology, and Use for Participatory Needs Assessment. Health Education & Behavior.
    https://journals.sagepub.com/doi/10.1177/109019819702400309
  • Hella von Unger, H. (2014). Partizipative Forschung. Einführung in die Forschungspraxis, S. 69-78.
    https://link.springer.com/book/10.1007/978-3-658-01290-8

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